Als ich meinen Facebook-Account "Pin Pinup" ins Leben rief, hätte ich nie erwartet, dass er ein solcher Überraschungserfolg werden würde. Das Experiment, Pin-up-Fantasien der Vergangenheit in die moderne, digitale Welt zu übertragen, traf offensichtlich einen Nerv. Die Flut an Freundschaftsanfragen – damals dachte ich naiv, ich könnte diesen Erfolg einfach wiederholen und zack, hätte ich fünftausend Freunde. Doch das war nichts weiter als eine Illusion! Der anfängliche Erfolg war aufregend, aber er brachte auch unerwartete Konsequenzen mit sich.
Das Spiel mit der Fantasie
Der Content, den ich kreierte, schien auf viele Frauen eine besondere Anziehungskraft auszuüben. Vielleicht neideten manche meine inszenierte Attraktivität, auch wenn das alles mit dem echten Leben nichts zu tun hatte. Aber Spaß machte es allemal. Jeden Tag addeten sich neue Frauen: dreißig pro Tag, hundert pro Woche – in einem langen Wochenende hatte ich dreihundert neue Follower generiert. Doch diese Zeiten sind vorbei.
Die Ära der klassischen Pin-ups und des lasziven Posierens, wie man es aus den Achtzigern kennt, ist vorbei. Die Fotomodels der Chrom-Designer, die mit ein paar Wasserperlen auf der Haut unisono in die Kameras schmachteten, sind Geschichte. Und das naiv lächelnde Mädchen von den Pin-ups der Fünfzigerjahre? Hat mit der heutigen Welt nichts mehr zu tun.
Urbane Natives und der Wandel der Weiblichkeit
Heute haben wir urbane Natives, endogene Frauen – moderne Stadtindianerinnen. Sie sind archaischer als in Deutschland oder Österreich, dafür sehen unsere Feministinnen besser aus. Die Madonna-Revolution hat eine neue Ära eingeläutet. Seit Madonna gehört der weibliche Körper und die weibliche Sexualität ganz der Frau. Sie hat den Mann zu ihrem Spielzeug gemacht, er ist nicht mehr das Zentrum, sondern nur die Beilage.
Die neue Selbstinszenierung
Frauen wollen sich selbst gefallen, nicht den Männern. Dass sie bewundert werden, ist ihnen egal. Sie zählen nur sich selbst und haben ein neues Kapitel aufgeschlagen. Mein Zielpublikum sind urbane, erfolgreiche, gestresste und aggressive Menschen in ihren Dreißigern, die noch einen Papa für ihre Kinder finden müssen.
Als Kommunikationsspezialist wusste ich: Frauen sind schön, feminin und latent gefährlich. Unabhängige Frauen leben anders. Sie dürfen alles tun, alles. Heute dient Burlesque der Selbstdarstellung der Frau. Auf Facebook wird der Fetisch zur Krücke, einem Vehikel, einem Katalysator, um sich zu präsentieren.
Provokation und Selbstbestimmung
Ungehorsam, Schminke – alles erlaubt. Auch wenn der Lippenstift quer übers Gesicht fährt, spielt das keine Rolle. Sinnliche Frauen, provokante Frauen. Sie sind Männerträume, entsprechen dem Männerideal, benehmen sich aber nicht so. Sie agieren aktiv, sind in der stärkeren Rolle. Sie sind da, um angeschaut und bewundert zu werden – von Männern und Frauen. Meine Frauen werden von Frauen bewundert oder heimlich beneidet, weil sie so taff sind.
Starke Frauen weinen nicht. Sie spielen mit und um Schmerzen, lassen Gefühle zu und sind Kämpferinnen. Junge Frauen haben Lust zu provozieren und sich mit den Jungs zu raufen. Eine Frau ist keine Irgendeine, sondern La Pamy oder eine andere besondere Frau. Sie lässt sich nicht vorschreiben, mit wem sie sich rauft, auch nicht mit einer Frau.
Die subtile Macht der Frauen
Eine meiner Followerinnen war überall aktivistisch unterwegs, kämpfte als Einzelkämpferin. Starke Frauen wissen um die Schwächen der Männer und nutzen diese für ihr Spiel. Sie machen sich insgeheim lustig, wissen um den Spritzkaneeffekt und verwenden ihn zu ihrem Vorteil.
Männer sind auch nur Menschen, dachte ich mir, und machte mich ans Werk. Über kurz oder lang hatte ich die eindeutigen, hungrigen Angebote los und landete dort, wo ich hinwollte – bei einem urbanen, jungen, weiblichen Publikum.
Ein T-Shirt-Spruch lautete: „Like my legs“. Frauen spielen mit den Schwächen der Männer, belächeln sie und zeigen sich gnädig. Es scheint, dass Frauen durch meine Fantasie angeregt werden. Sie verzeihen mir, dass ich ein Mann bin – außer die klassischen Feministinnen, die unter der Hand als Kampflesben bekannt sind. Sie fühlen sich angegriffen. Während Frauen in Deutschland oder Österreich stärker wahrgenommen werden, sehen die Feministinnen bei uns oft besser aus. Das ist wohl einer Entwicklung geschuldet, die einen neuen Weg beschreitet.
So schließt sich der Kreis meiner Reise durch die Welt der digitalen Pin-ups und der weiblichen Selbstbestimmung – ein Abenteuer, das mich mehr über die Macht und die Fantasie der modernen Frau gelehrt hat, als ich je erwartet hätte.